2004
Camp 2004
Featzige Aktion während des zweiten Faetzig-Camps in Niesky
Am 26.06.2004 fand im Rahmen des 2.Faetzig-Camps eine sportliche Aktion in Niesky statt. Etwa 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Camps spielten ca. 90 Minuten Volley- und Fußball auf dem zentralen Platz in Niesky, dem Zinzendorfplatz.
Während der Aktion wurden 2 Transparente auf dem Zinzendorfplatz aufgehängt, eines mit der Aufschrift: „Rechte Hegemonie durchbrechen – fight neonazis“. Niesky ist schon seit vielen Jahren ein Ort, wo Neonazis nicht mit entschiedener Ablehnung der Stadt, Polizei und dem Großteil der einheimischen Bevölkerung rechnen müssen. So mietet die Neonazi-Kameradschaft „Schlesische Jungs“ seit Jahren ein Haus auf der Herbert-Balzer-Straße von der Nieskyer Wohnungsbaugesellschaft.
Die Aktion sollte jedoch lediglich symbolischen Charakter besitzen. So ist der Zinzendorfplatz das Wahrzeichen der Stadt, die sich nach Außen als touristisch geben will. Doch wie so oft, ist es nur eine Fassade.
Während der gesamten Aktion wurde der Zinzendorfplatz von Naziaufklebern befreit und entsprechend umgestaltet. Die Nieskyer Nazis fuhren während der gesamten Aktion mehrmals über den Zinzendorfplatz und versuchten die spaßige Aktion zu stören, was jedoch nicht gelang.
Ein Jahr zuvor, beim ersten Faetzig-Camp versuchte eine Gruppe Neonazis das Camp anzugreifen, was jedoch nicht gelang. Als Reaktion griffen sie wenig später ein Auto an, welches das Camp verlassen wollte und zerstörten mit Baseballschlägern dessen Scheiben. Auch in Niesky selbst beschädigten die Neonazis ein Auto. Eine Person die sich zur Zeit des Angriffs im Wagen befand, musste mit einem Schock in das Krankenhaus gebracht werden.
ostsachseninfos.report
Das Programm im Jahr 2004
"Teddybärmörder" ein Theaterstück der Gruppe Timequake (Zg.)
Die 10köpfige Theatergruppe aus Zgorzelec eröffnet das Camp mit ihrem Stück ???Der Teddybärmörder“. Es werden verschiedenste Ausprägungen menschlicher Eigenschaften und Aggressionen dargestellt. Die DarstellerInnnen verdeutlichen in einer Kombination von bekannter Musik und ihrer Körpersprache die Entstehung und Dynamik menschlicher Eigenschaften wie Hass, Wut und Vorurteilen. In verschiedenen Sequenzen werden die Eigenschaften ohne Text dargestellt und führen immer zu einem dramatischen Ende des Teddybärs. Der Inhalt des Stückes möchte nicht menschliches Handeln und Denken auf einzelne Bereiche oder Themen beschränken, sondern dem Zuschauer die Deutung von Ursache, Anlaß und Sinn des Verhaltens der Angreifer überlassen.
!!!Das Stück beginnt bereits 18:00 Uhr!!!
Samstag, 26.06.2004 (ab 11:00 Uhr)
Das Kaffeespiel
Das Kaffeespiel ist ein Simulationsspiel über die Produktion & den Handel mit Kaffee. Kleinbauern und Bauern versuchen ihren Boden, den sie zum überleben brauchen vor dem Zugriff des Plantagenbesitzers zu schützen. Dieses Spiel macht einige Aspekte von Kapitalismus und Globalisierung anschaulich und erlebbar. (TeilnehmerInnen zwischen 12 bzw. 28)
Immer schon Global?
Global ist die Welt nicht erst seit 20 Jahren. Schon weit mehr als 500 Jahren segelten die Menschen um die Welt, einen kapitalistisch organisierten Weltmarkt gibt es spätestens seit dem 19. Jahrhundert. Neue Errungenschaften bei Verkehr, Transport und Kommunikation gibt es, seit dem es Menschen gibt. Und trotzdem ist etwas neu an ???der Globalisierung“, über die seit 10 Jahren ständig geredet wird, die von den einen scharf kritisiert wird und von den anderen gepriesen. Global an der Globalisierung sind vor allem ihre Auswirkungen. Ob im Süden oder im Norden der Welt: Die Lebensbedingungen für die Mehrheit der Menschen verbessern sich im Gegensatz zu den Versprechungen der Globalisierungsapologeten nicht. Im Gegenteil: Immer mehr Opfer bleiben auf der Strecke, wenn alles auf dieser Welt nach Prinzipien einer neoliberalen Marktwirtschaft funktioniert. Globalisierung kann man mit vielen Brillen betrachten, mit einer politischen, einer ökonomischen, einer kulturellen. Und eben so viele Interpretationen davon gibt es. Einige davon wollen wir uns in dem Workshop ansehen.
Ausgehend von der These, dass Globalisierung keine grundlegend neue Erscheinung ist, sondern ein Phänomen, das mit der Entstehung und Verbreitung kapitalistischer Marktwirtschaft einhergeht, wollen wir fragen, wie hilfreich der Begriff ???Globalisierung“ überhaupt ist und wie eine angemessene Kritik der Verhältnisse aussehen kann.
Wehr dich! - Selbstverteidigung für Frauen in Theorie und Praxis
Anmache, Bedrohung, oder Angriff – jede von uns erlebt Situationen die zu Angst oder Panik führen können. Wie verhalte ich mich in diesem Moment richtig?
Der Workshop soll helfen Situationen richtig einzuschätzen, Angst zu überwinden und entsprechend reagieren zu können. Er richtet sich ausschließlich an Frauen und vor allem an diejenigen, die sich mit dem Thema Selbstverteidigung bisher wenig oder gar nicht beschäftigt haben. Er ist auf max.15 Personen beschränkt.
AMAL Ostsachsen: "Allein machen sie Dich ein..."
Seit drei Jahren gibt es mit AMAL in Ostsachsen ein Beratungsangebot für Leute, die mit Nazis Stress haben. In einem Workshop auf dem Camp wollen wir uns mit Euch zuerst über die Auswirkungen rechter Gewalt und Einschüchterung auf den/die Einzelne/n austauschen. Welche Ängste, Verzweiflung, Wut tragen die Opfer nach einem Angriff mit sich herum? Was ändert sich im Alltag? Davon ausgehend wollen wir mit Euch über Strategien sprechen, wie ein Klima der Verängstigung aufgebrochen werden kann. Was kann jede/r Einzelne selbst tun? Von wem ist Hilfe zu erwarten? Was ist mit Presse, Polizei, Gericht, Entschädigung? Wir gehen davon aus, daß (leider) fast jede/r negative Erfahrungen mit Nazis machen mußte. Der Workshop soll auf diesen Erfahrungen aufbauen.
Der Nazis neue Kleider - zu aktuellen Tendenzen in der extrem rechten Szene
Nazis haben Glatze, Bomberjacke und Stiefel an? Dass das inzwischen eher die Ausnahme als die Regel ist, macht es für diejenigen, welche sich einen kritischen Blick bewahren wollen, oft ziemlich kompliziert.
Junge Neonazis und Rechte hören Hardcore, Hiphop oder Darkwave ? Natürlich mit extrem rechten Texten. Sie tragen poppige Kleidung und bestimmte Markenklamotten und sind kaum noch von anderen Jugendlichen zu unterscheiden. Ihr Lifestyle differiert auf den ersten Blick kaum von anderen Jugendkulturen.
Dabei verwenden sie eine Vielzahl von Codes und Symbolen, die der nicht eingeweihte Betrachter kaum noch entschlüsseln kann. Von den Jugendlichen selbst werden sie umso deutlicher verstanden. Diese Symbole sind immer Ausdruck eines bestimmten Gefühls, einer Zugehörigkeit zu einer bestimmten, eben der extrem rechten Szene.
Um etwas Licht ins Dunkel zu bringen, wird sich der Vortrag mit aktuellen Trends in der extrem rechten Jugendszene beschäftigen und wichtige Codes und Symbole rechter Jugendlicher näher erläutern und so einen Überblick über den extrem rechten Lifestyle geben. Der Referent beschäftigt sich schon mehrere Jahre mit der Thematik.
Kulturelle Strategien gegen rechts
Die Neonazis in Deutschland sind keine homogene Szene. In vielen Kultur- und Musikbereichen hat extrem rechtes Denken Fuß gefasst, sich teilweise schon etabliert. Hardcore und Black Metal sind die Renner unter den Neonazis. Extrem rechte Neofolkbands verklären sich als "Künstler" und stempeln ihre antifaschistische KritikerInnen zu Zensoren und Spaßverderbern. So manche "unpolitische" OI-Band tingelt durch die Jugendclubs und bietet dort nichts anderes als stumpfes, rechtes Stammtischniveau. Die Grenzen zwischen den "Unpolitischen", den "Rechten" und den Neonazis verlaufen dabei stets fließend.
Kampagnen und Netzwerke versuchen dem entgegenzuwirken: Good Night – White Pride, Grufties gegen Rechts, Turn it down! und einige andere. "Flagge zeigen" ist wichtig - doch dies alleine reicht nicht aus. Wie können, wie müssen also die kulturellen Strategien gegen die zunehmende Etablierung rechter Jugendkultur aussehen?









