Faetzig Camp 2012

2003

2003 - Das erste Camp

Pressemitteilung zum geplanten "Featzig-Camp" ostsächsischer Jugendinitiativen

In der Zeit von Freitag, dem 27. Juni bis Sonntag, den 29. Juni 2003 wird am Stausee der ostsächsischen Gemeinde Quitzdorf bei Niesky ein Jugendcamp stattfinden. Dieses wird von mehreren in der Region Ostsachsen aktiven Jugendinitiativen und -vereinen vorbereitet und durchgeführt.

Das dreitägige Camp soll vor allem interessierten Jugendlichen offen stehen, welche sich kritisch und kreativ mit den Thematiken Rassismus, rechte Gewalt/ Strukturen und möglichen Gegenstrategien auseinandersetzen wollen. Damit sollen die in der Region vorhandenen Ansätze von zivilgesellschaftlichem Engagement gestärkt und gefördert werden. Umrahmt werden soll das Ganze von einem bunten Angebot aus Filmen, verschiedenen Workshops und einem Konzert am Samstag Abend.

Die Idee zu diesem Jugendcamp entstand im letzten Winter beim monatlichen regionalen Vernetzungstreffen verschiedener Jugendvereine. Ziel soll sein, die weit verbreiteten Vorurteile und Ressentiments gegenüber ausländischen Mitbürgern, sowie die in der Region existierenden Strukturen neonazistischer Kameradschaften wie bspw. der Nieskyer "Schlesische Jungs" zu thematisieren und Jugendliche dafür zu sensibilisieren. So soll in einer Ausstellung mit Fotos zu diversen Neonazi-Aufmärschen in der Region versucht werden, einen Überblick über rechte Organisierung zu geben, sowie das Thema rechte Jugendsubkultur in der Musik erörtert werden. Aber auch das ständig aktuelle Thema der Globalisierung soll Gegenstand von Diskussionen in einem speziellen Workshop sein. Ein dazu passender Film über die italienischen "Tute Biance" - Globalisierungsgegnern in weißen Overalls - gibt dazu einen Einblick.

Das Camp setzt ein gewisses Maß an Bereitschaft zum aktiven Mitmachen voraus. Dies trifft für die verschiedenen Workshops ebenso zu, wie für das am Sonntag Nachmittag geplante kollektive Abbauen der Zelte. Für die Unkosten wird ein symbolischer Camp-Beitrag von 5 Euro erhoben, Gegenstände wie Tassen, Teller und Besteck sollten mitgebracht werden, da solche nur in begrenztem Umfang zu Verfügung gestellt werden können.

Weitere Informationen zu den geplanten Veranstaltungen und genaue Wegbeschreibungen für auswärtige Camp-TeilnehmerInnen sind unter der eigenen Camp-Homepage http://www.campamsee.de.vu zu erfahren sowie telefonisch von Montag bis Freitag in der Zeit von 10 bis 16 Uhr unter der Infonummer 035 88 - 25 81 76.

Vorbereitende und beteiligte Gruppen/ Vereine:
Emil Zittau - http://www.emil-zittau.de
Jugendhaus Kommärzbanck Hammerstadt - http://www.kommaerzbanck.de
Konsortium e.V. Niesky
HausundHof e.V. Görlitz
Amal Görlitz - http://www.amal-sachsen.de
Rumpel e.V. Ebersbach


Damals gab es Stress mit den Nazis aus Niesky

4100 Euro Schaden - Rechtsradikaler Hintergrund vermutet

Zwei Autos von Teilnehmern des Faetzig-Camps am Quitzdorfer Stausee wurden in der Nacht von Sonnabend auf Sonntag von bisher unbekannten Tätern beschädigt. Zwischen 3 und 3.30 Uhr wurde ein Fahrer auf dem Nachhauseweg noch auf der Zufahrt zu dem Camp am Quitzdorfer Stausee gestoppt. Sein PKW wurde mit Steinen, Stöcken und Flaschen beschädigt. Die Bilanz: Heck und Frontscheibe sind zerstört. Raik Schulze von der Pressestelle der Polizeidirektion Görlitz bezifferte den Schaden auf rund 4000 Euro.
Glimpflicher kam der Fahrer eines Fords, der ebenfalls von dem Jugendcamp kam, davon. Auch er wurde von bisher unbekannten Personen in einem Opel zwischen See und Sproitz zum Halten gezwungen. Sein Auto wurde mit Stöcken und Flaschen beworfen. Der Schaden liegt mit etwa 100 Euro aber deutlich geringer als der seines Leidensgenossen. Die Fahrer beider Fahrzeuge ergriffen die Flucht und kamen mit dem Schrecken davon.

Andere Augenzeugen berichteten, dass etwa eine halbe Stunde vor diesem Vorfällen, etwa 100 Meter vor dem Eingang des Camps, eine Gruppe Jugendlicher rechtsgerichtete Parolen gegrölt hätten. Unter anderem habe man "Sieg Heil" gehört.

Raik Schulze mochte das mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen weder bestätigen noch dementieren. Ein Zusammenhang mit der rechten Szene sei jedoch zu vermuten. Die Aussage, dass die Autos der Täter heimische Kennzeichen getragen hätten, mochte er ebenfalls noch nicht kommentieren.

Von Katja Mielcarek, 01.07.2003, Sächsische Zeitung Niesky